Peter Schleicher – Organist und Improvisator

Presse

16.09.2015
Harmonie zwischen Orgel und Flöte Broghammer und Schleicher überzeugen. Konzert in der Kirche wird zum Musikgenuss.
Das zweite Preisträgerkonzert in der katholischen Kirche mit Niklas Broghammer, Jahrgang 1996, an der Flöte und Peter Schleicher, Jahrgang 1985, an der Orgel, wurde zum musikalischen Genuss. Beiden Künstlern wurde mit stehendem Applaus gedankt. In Vertretung des Hausherrn, Pfarrer Paul Dieter Auer, stellte Pfarrgemeinderat Josef Broghammer beide Musiker vor. Dabei erwähnte Broghammer die bisher erzielten Erfolge von Broghammer und Schleicher. Mit der Flötensonate in e-moll von Johann Sebastian Bach entführten beide das aufmerksame Publikum in die Zeit des Barock. Mit Bedacht setzten Broghammer und Schleicher die vier Sätze der Komposition um. Orgel und Flöte befanden sich im musikalischen Dialog. Mit Felix Mendelssohn Bartholdy öffnete Peter Schleicher die Türe in die Romantik mit der Orgelsonate D-Dur op. 65 Nr. 4. Die Stimmung der Orgel, das vielfältige Wechseln der Register, das Pedalspiel in tiefsten Tonbildern, dazu der Raumklang in der Kirche, ließen erkennen, mit welcher Intensität Schleicher die Seifert-Orgel präsentierte. Einem mächtig wirkenden Auftakt folgten schnelle Fingerläufe über das Manual, Fanfaren und Flöten gingen in einem anhaltenden Schlussakkord auf. Zurück ins Barock zu Georg Philipp Telemann wurde das Publikum mit der Fantasie für Flöte ohne Bass Nr. 7 G-Dur entführt. Auf der Traversflöte unternahm Niklas Broghammer eine musikalische Zeitreise. Überaus gekonnt und feinfühlig wurde die zweite Stimme von der Orgel übernommen. Beide Instrumente verschmolzen zu einem überaus ansprechenden Klangbild. Welche Qualitäten Peter Schleicher an der Orgel besitzt, zeigte er nochmals als Solist einer eigenen, freien Improvisation. Schleicher nutzte die vielfältigen Möglichkeiten, die Orgel zu registrieren. Harmonisch tiefe Register, rhythmische Tonfolgen in beschwingten Läufen, bei rasant wirkendem Pedalspiel, überzeugten das Publikum. Die Zeit der Wiener Klassik lebte mit Wolfgang Amadeus Mozarts Zauberflöte auf. „Der Vogelfänger bin ich ja“, darauf „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ und „Der Höllen Rache“ wirkten erfrischend, geradezu verlangend nach mehr Flötenspiel. Die Zeit der Moderne wurde mit dem Concertino für Flöte und Orchester op. 107, von Cécile Chaminade eröffnet. Die Orgel wirkte als verbindendes Glied der Komposition. Es entwickelte sich ein Zwiegespräch beider Instrumente. Als Zugabe, mit Orgel zu vier Händen, wurde in einem ungewohnt spannenden Klangbild der Radetzky-Marsch intoniert. Das Publikum wollte noch mehr und so verabschiedete sich Peter Schleicher mit einer Improvisation zu „Der Mond ist aufgegangen“ endgültig vom Publikum. Südkurier

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29.07.2013
Wettbewerb für Orgelimprovisation im Münster
In 25 Jahren EKM 13 Wettbewerbe für Orgelimprovisation – das ist die beachtliche Bilanz einer Förderung von höchster Kreativität! In den letzten Jahrzehnten hat das liturgische Orgelspiel geradezu einen Paradigmenwechsel zur Improvisationskunst erfahren. Von Peter Skobowsky EKM. Die Zahl der Nachwuchsorganisten, die professionelles Interesse zeigen, hat stetig zugenommen. Die Früchte stoßen beim Publikum auf starkes Interesse. Und so konnte auch die brütende Hitze des Sonntags kaum einen Interessenten abhalten, zum diesjährigen Abschlusskonzert der drei Wettbewerbsfinalisten zu kommen. Das Besondere dieses Jahres: Von den 13 angemeldeten Teilnehmern nahm Johannes Fankhauser seit 2003 an allen Wettbewerben teil; der Stuttgarter Domorganist an St. Eberhard, Johannes Mayr, 1989 selbst der erste Preisträger, und Ulrich Klemm, Dekanatskirchenmusiker von Schwäbisch Gmünd und an Heilig-?Geist Schorndorf wirkend, gewann ebenfalls den ersten Preis zehn Jahre später. Beide waren zum Finale gekommen. Da die Stadtwerke Gmünd die Preisgelder gestiftet hatten, war deren Geschäftsführer Rainer Steffens gern gesehener Gast. Die Lebensläufe der Teilnehmer des Orgelimprovisationswettbewerbs bestätigten die erstaunlich hohen künstlerischen Voraussetzungen der Kandidaten. Drei renommierten Juroren oblag die Entscheidung: Philippe Lefebvre, (Titularorganist an Notre Dame), der am Freitag selbst konzertiert und improvisiert hatte, Jos van der Kooy (zum dritten Mal bei der EKM) und Münsterorganist Stephan Beck. Deren Entscheidung deckt sich ganz mit der Einschätzung des Rezensenten: die Preise waren mit der Reihenfolge der Vorträge identisch. Nach dem anstrengenden ersten Wettbewerbstag in St. Franziskus folgte das Finale im Heilig-?Kreuz-?Münster. Die Finalisten hatten je eine Stunde Zeit, sich mit der KlaisOrgel vertraut zu machen; für die zwei gestellten Aufgaben gab es nur je 30 Minuten Vorbereitungszeit (ohne Instrument!). Die Programmierung der Setzer für die Registerwahl durfte also nicht lange dauern. Und man war wirklich erstaunt, mit welcher Farbigkeit die vielfältigen Kontraste eingelöst wurden. Die Jury hatte – wie am Vortag – ohne Kenntnis der Spieler ganz anonym zu entscheiden, also auch ohne optischen Kontakt zu ihnen. Als Aufgaben hatten die Kandidaten zuerst eine Passacaglia zu improvisieren: über einem ostinat wiederkehrenden Cantus. Sodann war eine freie Improvisation mit nur einem vorgegebenen Thema (5/?8-?Takt!) und einem eigenen dazu gefordert. Das alles war in 20 Minuten zu bewältigen. Die Zeit wurde genutzt, aber nicht überzogen – auch das war aller Ehren wert. Der erste Kandidat begann in hoher 2’-Lage, bevor das Pedal das Thema übernahm, von hellen Kontrapunkten begleitet, sodann mit Prinzipal, Vox cœlestis und Portunalflöte umspielt, es folgten Cluster-?Triolen. spätromantische Modulationen mit toller Steigerung, 4’-Perlen und stilisierte Aliquote in Reihungen, der cantus firmus mit Glocken – alles sehr originell, ideenreich und farbig. Nach freiem Trio und der mit geschlossenem Schweller zarten Vox cœlestis zelebrierten Meditation über einem Ostinato mit Pedal-?Orgelpunkt klang das Ganze dezent aus. Das zweite Stück begann virtuos im Pleno, dazu gab es rhythmisch gleiche Kontrapunkttupfer, zu einem Scherzando entwickelt. Das zweite Thema war gut vorbereitet, nutzte das Krummhorn, Tremolandi, Echos bis in höchste Lagen, das Portunalflöten-?Thema moduliert in wohltuender Ruhe, immer in Echomanier. Es folgten leise Umspielungen mit Trompete, eine gewaltige Steigerung bei raffinierter Durchführung und Temposteigerung, ein Wechsel von Ruhe und Fortissimo mit nachwirkenden Kurzpausen bis zum krönenden Abschluss. Der zweite Kandidat improvisierte eine geradezu klassische Passacaglia: zartes Pedalthema mit dezenten Kontrapunkten, spätromantischem Zuwachs (Reger ließ grüßen!), mit (synkopischer) Bewegung und Chromatik, einem Einhalt, Prinzipaltupfern, Flöten, Zungen, sehr bewegt, mit gegenläufigen Akkorden, dann ganz zart lyrisch mit Streichern bis hin zum verklingenden Dur-?Schluss. Im zweiten Beispiel begann der Improvisator mit dem vorgegeben Thema, ganz dezent, dann mit dem Sesquialter darüber, tänzerisch mit Echo, hellem Überspielen, ostinaten Rhythmen – packend. Dann der Ruhekontrast mit parallelen Akkorden bei unterschiedlichen Farben, ein getanztes Fugato mit Zungen und Labialen, kräftiger Steigerung (mit mehrfa – chem Echo), wachsend und verebbend, dreifach strukturiert, chromatischen Leitern über dem Thema, pokernden Cluster-?Leitern und enormer Schlusssteigerung. Der dritte Vortrag ließ auf sich warten. Wie schön, dass das Publikum in Stille ausharrte, bis die Passacaglia mit einer kräftigen Introduktion rhythmisch prägnant anhob. Über leisen Clustern begann das Thema im Manual, dazu zarte Pedaluntermauerung. Dann erst begann das Pedalthema mit Kontrapunkten in Achteln (von Regen und Donner begleitet, was den Spieler zum Glück nicht aus der Façon brachte). Es gab eine interessante Entfaltung mit Vorhalten, silbrigen Sextolen, gesteigerten Quartenparallelen, rhythmisch aufgebrochen. Es folgten ruhige Besinnung, ein rhythmisch strukturiertes Zungenpleno mit Tremolandibegleitung, eine Codavorbereitung (mit Längen!), der Wiederaufnahme der Introduktion und einem dissonant gut hörbaren Schluss. Im zweiten Stück gab es Trompetenfermaten, darüber ostinate Kurzlinien. Der erste Takt wurde mehrfach wiederholt, umspielt, arpeggiert, Trompeten-?Akkorde steigerten sich kräftig bis zu Trompetensekunden und einem Kontrapunkt über dem Orgelpunkt. Dann gab es eine Vox-?cœlestis-?Ligatur mit Krummhorn – kadenz, einen labialen cantus firmus über einem Streicherteppich im Mezzoforte, darüber Silberkaskaden mit getupftem Pedal, Schichtungen übereinander, dumpf rhythmisiertem Krummhorn sowie 8’ und 2’. Terrassenartige Ostinati steigerten sich mittels spätromantischen Modulationen bis zum gewaltigen Schluss. Nach nur zwölfeinhalb Minuten hatte die Jury ihr Beratungsergebnis. Stephan Beck stellte die Juroren vor, und Erster Bürgermeister Dr. Joachim Bläse konnte die Preise samt Preisgeld überreichen: an Geerten Liefting aus den Niederlanden den 3., an Peter Schleicher aus Stuttgart, der 2011 den 3. Preis gewonnen hatte, diesmal den 2. und dazu noch den Publikumspreis und den 1. Preis an David Cassan aus Frankreich. Sein Spiel war das professionellste, aber sicher für das Publikum zu anspruchsvoll. Es ist eine wunderbare Geste, dass der 1. Preis nun den Namen von † KMD Hubert Beck trägt, der nicht nur einer der Initiatoren der EKM selbst war, sondern auch stets ein ambitionierter Förderer der Orgelimprovisation.

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05.08.2011
Mit Improvisationen auf hohem Niveau - Stuttgarter spielt barocke Werke der norddeutschen Orgelschule
Auch Tanz- und Liedvariationen waren zu hören. Das Publikum in der Langwarder Kirche reagierte begeistert. von Ute Extra Langwarden - Freunde der Orgelmusik kamen am Freitagabend im der St.-Laurentius- Kirche in Langwarden wieder einmal auf ihre Kosten. Wie in den Vorjahren erhalten junge Organisten aus dem In- und Ausland die Möglichkeit, auf der historisch interessanten Kröger-Huß-Orgel anlässlich des Langwarder Orgelsommers konzertant zu musizieren. Dieses Mal konnte Sebastian Bethge, der Organisator dieser Konzertreihe, den jungen Stuttgarter Organisten und Chorleiter Peter Schleicher hierfür gewinnen. Der sehr schön klingenden barocken Orgel entsprechend, wählte Schleicher zeitgenössische barocke Werke der norddeutschen Orgelschule für sein rund einstündiges Konzert aus. Mit abwechslungsreichen Tanz- und Liedvariationen des Balleth del granduca und der Esce mars aus dem Schaffen von Jan Pieterzoon Sweelinck (1562-1621) führte Peter Schleicher das Publikum in die Musikwelt des 17. Jahrhunderts hinein. Aufwändige Registrierungen, vollgriffige Spielweisen neben verspielt wirkenden filigranen Abschnitten und stetige Charakterwechsel der einzelnen Variationen bewiesen nicht nur die hohen Kompositionsfertigkeiten zur damaligen Zeit, sondern auch die sehr vielseitigen musikalischen und technischen Ansprüche an die Organisten dieser frühen Orgelwerke. Selbstbewusstes Spiel Auch während der Partita über „Freu dich sehr, o meine Seele“ des rund 100 Jahre später geborenen Georg Böhm (1661-1733) wurden von Peter Schleicher selbstbewusst und mit Spieleifer zwölf kontrastierende Orgelvariationen vorgestellt. Das Präludium und die Fuge in C-Dur (BWV 547), komponiert von Johann Sebastian Bach (1685-1750) erhielt durch den schwungvollen tänzerischen Charakter und die gute Herausarbeitung der diesem Werk innewohnenden Dynamik ebenfalls eine besonders attraktive Note. Obwohl Bach zu jener Zeit Präludium und Fuge bereits für Instrumente mit der heute gängigen temperierten Stimmung komponiert hatte, die Langwarder Orgel jedoch in der damals noch gängigen mitteltönigen Stimmung gestimmt ist, störten die dadurch entstandenen, für unsere heutigen Ohren leicht schräg klingenden Zusammenklänge in keinster Weise. Ein besonders interessanter Aspekt in der Ausbildung eines jeden Organisten ist und war die Improvisationskunst des Organisten über Choralthemen zu erlernen. Johann Sebastian Bachs Improvisationen fanden bereits damals große Beachtung und Anerkennung. Mit dieser Kunst setzte sich auch Peter Schleicher an diesem Abend auseinander. Durch eine freie Auswahl von Liedthemen aus den Reihen des Publikums ließ er sich zu einem dreisätzigen Improvisationswerk der drei willkürlich ausgewählten Choräle ein. Spontan wählte er für den ersten Choral einen tänzerischen, verspielten Charakter für seine Spielversion aus. Im 6/8-Takt, angereichert mit vielen barocken Stilelementen, wie dynamische Kontraste und kammermusikalische Registrierungen, gewann er schnell den Respekt der leider nicht so zahlreich erschienen Zuhörer. Ruhig und meditativ Die zweite Liedauswahl spielte der junge Musiker in ruhiger, meditativ wirkender Spielweise und brachte schließlich mit der dritten Choralbearbeitung in lebendiger und mitreißender Toccataform diese drei Improvisationen in eine spannende und stimmige Form. Anerkennender Applaus und Respekt vor diesen improvisatorischen Leistungen folgte umgehend von dem begeisterten Publikum, das sich anschließend bei einem Glas Wein in Ruhe über das Gehörte austauschen konnte. An der Langwarder Orgel: Peter Schleicher Bild: Ute Extra

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